HACKERS BRAUT

 

PLAYBOY, 7/92

KRIMI

HACKERS BRAUT: Packender Aufruhr in der Donaumetropole

Randale im Hackermilieu: Ein mordverdächtiger Com­puterprofi taucht in Wiens Underground ab. Mit einer verheirateten Anwältin im Schlepptau startet er eine blutige Tour de force. Autor Ernst Josef Lauscher findet in seinem Roman exakt den schrillen Ton, um einen Krimi zwischen Donau-Mafia und Agentenpack raffiniert zu verkabeln, und das mit Hochspannung.

Autor: Ernst Josef Lauscher. Verlag: Eichborn. 

 

Salto Nr. 2/8. Jänner 1993

IM LABYRINTH DES BÖSEN

Auszug -

Auf der Jagd nach einem Phantom: dem österreichischen Krimi. Von Wolfgang Huber-Lang.

(...)  Lauschers (...)  im Frühjahr erschienener Erstling „Hackers Braut" (Eichborn Verlag), ein „Wiener Labyrinth des Bösen", bietet 400 Seiten pralle Spannung, Sex und Crime auf höchstem Niveau. Eine Geschichte, in der Wien nicht Provinzidylle, sondern Weltstadt ist. Hier stehen nicht die Aufklärer, sondern der (vermeintliche) Täter im Mittelpunkt. Ein durchgedrehter Computerspezialist würde gerne dahinterkommen, ob er tatsächlich für Industriesabotage und Mord verantwortlich ist. Dabei scheinen ihm aber die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit durcheinander zu geraten. Real bleiben lediglich die zehn Leichen, die seinen Weg säumen, Leichen, für die sich der Autor mit spürbarer Lust die unterschiedlichsten Todesarten einfallen ließ. „Natürlich hat jeder Mensch Phasen, wo er aggressiv und voller Hass ist. Man muss sich klar sein, daß man diese dunklen Seiten hat, das macht uns erst zu ganzen Menschen", meint Lauscher, für den Krimi allerdings mehr ist als Selbsttherapie: „Das Krimi-Motiv ist ein Mittel, die Extreme in einer Gesellschaft aufzuzeigen. Und die liegen immer dort, wo die Gewalt stattfindet." So kann „Hackers Braut" durchaus auch als Technologiekritik gelesen werden, getreu Grissemanns Befund: „Gesellschaftliche Themen werden immer als erstes von Krimi-Autoren aufgenommen. So war es beim Umweltthema, bei Aids und nun bei der deut­schen Wiedervereinigung."

 

Literatur Report 7/92

Hackers Braut

Kriminalroman. 408 Seiten, Hardcover, Eichborn Verlag

Dem Computerspezialisten Paul Schumsky wird von seiner Firma, dem Weltkonzern Factorship Inc., vorgeworfen, die zentrale Datenverarbeitungsanlage lahmgelegt zu haben. Was schwerer wiegt: ein paar Schritte von seinem Arbeitsplatz entfernt wird die Leiche des Portiers im Papiercontainer gefunden. Der Körper ist regelrecht zertrümmert, er scheint aus dem zehnten Stock gestürzt. Um seine Unschuld zu beweisen, muss Schumsky in den Untergrund. Die erfolgreiche und schöne Rechtsanwältin Vera Salverani versucht ihm zu helfen. Eine 1eidenschaf1iche Liebesaffäre ist die Folge, und der Fall wird immer verwickelter. Star-Journalisten, korrupte Privatdetektive, Doppelagenten, Mafiosi und rachsüchtige Ehemänner sorgen für weitere Mordanschläge, Verfolgungen, Lauschangriffe, Einbrüche und eine fast ins unerträgliche sich steigernde Spannung.

Dennoch ist dieses Buch mehr als ein Kriminalroman. Es ist eben sosehr ein Sittenroman über die Geheimdienstmetropole Wien. Daß Spannung und außerordentliche literarische Qualität nicht im Widerspruch zu stehen brauchen, hat der Autor mit diesem Werk eindrucksvoll bewiesen.

 

Wirtschaftswoche Nr. 15/8 1993

"Hackers Braut"

Ein Loch in der Welt von Wolfgang Huber-Lang

Auszug -

Der Filmemacher und Selbstdarsteller Ernst Josef Lauscher hat die Seiten gewechselt: Er schreibt Kriminalromane (...)  und hat sich etwas einfallen lassen. An­ders als die meisten seiner Kollegen verfiel er jedoch nicht auf das Nächstliegende - die Werbung. Er besann sich vielmehr einer Tätigkeit, die er bis dahin zwar manisch, jedoch nie um ihrer selbst willen betrieben hatte: das Schrei­ben. (...)

„Hackers Braut", vor genau einem Jahr er­schienen, ist das erfrischende und seltene Bei­spiel eines heimischen Krimis, in dem Wien nicht gemütlicher Tummelplatz für Taubenvergifter und Beschwichtigungshofräte, sondern Mittelpunkt eines Wirtschafts- und Geheimdienst Komplotts internationalen Zuschnitts ist. (...) Lauscher versucht, in seinen Krimis über das reine „Wer ist der Mörder?"-Psycho-Puzzlespiel hinauszugehen und Spiegel aktueller Strömun­gen zu sein. Deswegen kommt seinem hochgradig gestressten Computerhacker, der das moder­ne Denken in Geschwindigkeit und Wachstum verinnerlicht hat, immer wieder sein Unterbewusstsein in die Quere. (...)

EIN HERR AUS DEM JENSEITS

 

Rhein-Neckar Zeitung 1.11.93

Ewiges Leben, o Graus

Auszug -

Ernst Josef Lauschers Roman „Ein Herr aus dem Jenseits" / Von Sven Boedecker

Wenn sich in Wien der dichte, kalte Frühlingsnebel über die Straßen und Brücken senkt, die Straßenbeleuchtung und den hör­baren Atem der Stadt nahezu erstickt, ist in dieser unwirtlichen Kulisse alles möglich. Das jedenfalls muß der gescheiterte Maler und freie Werbegrafiker Lukas Roskowitz in Ernst Josef Lauschers neuem Roman erfahren.

Vom Leben Abschied genommen, genommen hat (Führerschein, Ausweispapiere und Autoschlüssel sinken bereits nie­der auf den Grund der Donau), widerfährt dem Lebensmüden etwas höchst Unwahr­scheinliches: Ein .Herr aus dem Jenseits" spricht ihn an: „Gestatten Sie, daß ich mich vorstelle, Kapsaski ist mein Name - Oskar Emanuel Kapsaski."

Langsam nur, nach und nach erfahren wir, was es mit dem freundlichen älteren Herrn auf sich hat. Kapsaski ist ein „Schlepper" - einer, der die Sterbend^ auf ihrem Weg aus dieser in die nächste Welt begleitet, und sein Bezirk umfaßt den kompletten Stadtbereich Wien.

Anno '42, vor 50 Jahren, ist der reale Kap­saski, der seine jüdische Frau an die Nazis verriet, gestorben, und seitdem existiert er als Replikant, als Reproduktion seines alten Ich". Wie er müssen Hunderte anderer Ehemaliger Buße tun" und als Teil einer weltumspannenden Organisation (wie etwa IBM, Union Carbide oder Exxon") den Tod verwaltungstechnisch organisieren. Allerdings ist er nicht gekommen, um Lukas abzuholen. Ganz im Gegenteil: Kapsaski will den Kram hinschmeißen, und sein Aussteigertum bringt ganz Wien unverhofft die Unsterblichkeit.

Den Tod als Ordnungsprinzip menschlicher Existenz abschaffen zu wollen, kann na­türlich nicht ohne Folgen bleiben, denn allein die Statistik Wiens weist täglich 55 Menschen aus, die der Hilfe eines Schleppers bedürfen. Innerhalb weniger Tage und nach nur kurzer Anfangseuphorie steht die ganze Stadt Kopf. (...)  Dem 46jährigen Ernst Josef Lauscher, der im vergangenen Jahr mit dem erstklassigen Krimi .Hackers Braut" von sich reden mach­te, ist ein charmantes Stück Literatur ge­glückt. Leichtfüßig und verführerisch kommt sein Roman daher, witzig und sexy oben­drein.

ERNST JOSEF LAUSCHER. Ein Herr aus dem Jenseits. Eichbom Verlag, Frankfurt a. M. 1993, 232 S., DM 28

 

Neue Presse, 6.5.93

Oskar Emanuel Kapsaski steigt nach 50 Dienstjahren aus: das „Robinson"-Syndrom, reif für die Insel. Der Ausstieg beschert dem Wien, dem Handlungsort dieses Romans, ganz besondere Probleme: Unsterblichkeit und Anarchie. Oskar Emanuel Kapsaski ist der Tod in Ernst Josef Lau­schers „Ein Herr aus dem Jen­seits".

Der Mann ist ein „Schlep­per", sorgt bei den Verstor­benen der Donaustadt für den ordnungsgemäßen Heimgang. Er gehört zu ei­ner weltweiten Organisation von Jenseits-Bürokraten, die das Totenreich verwalten. Eine langweilige Arbeit: Dau­erdienst, kein Spaß und kein Sex, Buße für ein im Leben begangenes Unrecht. Kapsaski will nicht mehr, und ganz Wien wird unsterblich.

Die Stadt versinkt im Chaos - Unruhen brechen aus, alles bringt sich um, aber keiner stirbt. Mit Sprengstoff, Strom­stößen und ekelhafteren Me­thoden versuchen die Wiener, die Unsterblichkeit zu überli­sten - vergebens. Die Vergnü­gungssucht kennt keine Gren­zen, die Arbeitsmoral sinkt ins Bodenlose. Der österreichi­sche Geheimdienst und das Jenseits-Syndikat machen Jagd auf Kapsaski, und der Untote macht Jagd auf die Frauen erfolgreich. Die Lust am „klei­nen Tod" mit dem „großen Tod" packt das Fotomodell Hannah. Lauscher gelang ein re­spektlos-morbider Roman, der mit Bürokraten, Politikern und anderen Autoritä­ten abrechnet. Eine anarchische Attacke mit Lust an Zerstörung und Leidenschaft, eine Eulenspie­gelei jenseits von Tod und Leben.

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ÖSTERREICHISCHER RUNDFUNK - LANDESSTUDIO STEIERMARK

LITERATUR UND HÖRSPIEL, BUCHBESPRECHUNG. Sendung: „STEIRISCHES LITERATURMAGAZIN“,

Samstag, 18.07 - 19.00, Programm Ö 2, Lokal, besprochen von: Dr. Heinz Hartwig

Ernst Josef Lauscher, "Ein Herr aus dem Jenseits", Eichborn

EJL hat bei Eichborn, nach seinem ersten Roman "Hackers Braut" nun in seinem zweiten Roman "Ein Herr aus dem Jenseits" ein urwiener Thema aufgegriffen und in seiner leicht locker, ironischen Art recht unterhaltsam behandelt. Ein Satz von Andre Heller illustriert die Ausgangssituation von Lauschers Roman am besten. Dort heißt es:

"Es war einer jener seltenen Augenblicke, in denen man alles für möglich hält und selbst die Nachricht von der Abschaffung des Todes einen nicht wirklich erstaunen könnte."

Und genau das passiert. Der besagte Herr aus dem Jenseits, dessen Hauptaufgabe es war, in Wien die zum Sterben bestimmten Menschen abzuholen, beschließt, aus seinem Job auszusteigen und so geschieht, was geschehen muß:

In Wien stirbt keiner mehr und das Chaos auf dieser Welt und natürlich auf der anderen Welt ist perfekt. (...) Aus all diesen Ingredienzien braut EJL einen witzigen, leicht und amüsant zu lesenden Roman zusammen, der manche Schwächen, manche Tücken von Wien und der Wiener ausplaudert und bloßstellt. Er tut dies in einer nicht allzu bösartigen Art und Weise. Trotzdem sitzt ihm der Schalk schön kräftig im Nacken.

 

Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt, 7.5.93

Der Tod kommt nicht mehr

Ernst Josef Lauschers »Ein Herr aus dem Jenseits« von ESTHER KNORR-ANDERS

Aller Morbidität zum Trotz werden die Wiener von Unsterblichkeit heimgesucht.

Ein Roman mit schwarzem Humor

Auszug-

An Hand detailliert geschilderter Einzelfälle verdeutlicht Lauscher, wie schwierig es ist, die Wiener von der Tatsache zu überzeugen, daß niemand der Ihren, kein einziger Einwohner der Metropole, von dieser  Welt in ein wie auch immer geartetes an­deres Dasein wechselt. Der Autor beginnt mit dem Graphiker Lukas Roskowitz. Aus unerfüllter Liebe lebensmüde geworden, ist er gerade im Begriff, von der Brücke in die Donau zu springen, als die Stimme ei­nes seriösen, älteren, sehr eleganten Man­nes das Letztunternehmen bremst.

Aus dem dichten Nebel dieser trostlosen Nacht tritt der „Herr aus dem Jenseits“. Er überredet Roskowitz, gemeinsam ein nahe gelegenes Café aufzusuchen. Dort erklärt der Herr, daß er Oskar Emanuel Kapsaski heiße und ihn, Roskowitz, nur deshalb vom Sprung in die Donau abgehalten ha­be, weil er dabei sei, seine reguläre Tätig­keit, zu der er im Jenseits verdammt wor­den war, aufzugeben. Er, Oskar Emanuel Kapsaski, sei nämlich tot. Bereits vor fünfzig Jahren hätte man ihn auf einem Wiener Friedhof beerdigt. (...)  Liebenswürdig erläutert Kapsaski ferner, daß er als Replikant, als hervorragende Kopie seiner selbst, im jenseitigen, sozu­sagen höheren Dienst der Organisation eingestellt wurde. Als Schlepper sei er da­für zuständig, die Wiener in ihren Finalminuten ordnungsgemäß von hier nach drü­ben abzuberufen. Entgeistert fragt Lukas den Kapsaski, warum er denn diesen in­teressanten Job aufkündigen wolle, da könnten für ihn doch Schwierigkeiten mit den Überirdischen entstehen. Die Beant­wortung dieser Fragen und weitere Ent­hüllungen möge der Leser dem fraglos schwarz-humorigen Buch entnehmen.

Es sei nur soviel sei verraten: Kein Wiener stirbt mehr.  (...) Lauschers Roman, der zweite nach „Hackers Braut", erhält seine Reize durch die krasse Gegenüberstellung von realisti­schen und wunderbegeisterten Men­schentypen, des weiteren durch amüsante Handlungskonstruktionen und schließ­lich durch die Schilderung des heutigen Wiener Milieus.

 

EXPRESS, Wien

„Wien und der Tod“. Präsentiert von Werner Aschemann

Die äußere Erscheinung "des Herrn im fortgeschrittenen Alter ist von unauffälliger Ele­ganz: Dunkles Haar, an den1 Schläfen leicht angegraut. Den Anzug, beste Qualität, handgenäht die Schuhe. Der Mann trinkt Kamillentee und raucht Davidoff.

Er heißt Kapsaski und ist der Tod. Wien ist sein Wirkungskreis. Vielmehr, er war es, denn Kapsaski beschließt, seinen Job an den Nagel zu hängen, auszusteigen. Er hat sich un-sterblich verliebt!

Ernst Josef Lauschers Roman „Ein Herr aus dem Jenseits" ist eine mit lustvollem Leben gespickte Satire über den Jod, der abgeschafft wird. In der Walzerstadt bricht Chaos aus: Friedhöfe bleiben leer, Erben sind sauer über das unerwartete Weiterleben todkranker Verwandter, Mutige stürzen sich; vom Stephansdom, Wien wird das Mekka hoffnungsfroher Siecher aus aller Welt. Die Staatskrise ist; da. Dieser vergnüglich böse Roman wirkt wie eine geistige, Vitaminspritze. (Eichhorn, 240 S., 28 DM)

 

COLIBRI

MORBIDE SATIRE

Auf Leben und Tod

Auszug -

Der Wiener Autor Ernst Josef Lauscher beschreibt voller Witz und mit viel Gefühl für die nötigen Portionen Dramatik und Slapstick, Sex und Pyrotechnik die satiri­sche und die zum Glück „zeigefingerlose“ Geschichte von der Demontage eines Menschheitstraums: Unsterblichkeit ist ja ganz schön und gut. aber was halten die Bestattungsinstitute davon? Und was ge­schieht mit all den Erbtanten, deren Zeiti­ges die lieben Anverwandten schon längst gesegnet hatten? Schnell bildet sich eine Bürgerwehr gegen die Urheber der quälend langlebigen Miß­stände. Blickte ein kleines dunkelhäutiges Mädchen - ganz dea ex machina - nicht zum rechten Moment auf die Walzerstadt herab, hätte keine Wiener G'schichte mehr enden können mit den Worten: Und wenn sie nicht gestorben sind...

Andreas Lammers

 

Magazin 12.3.93

Verdrängte Todessehnsucht

Auszug -

Wenn zu Beginn der Nebel „wie klebriger Brei in den Straßen liegt", kündigen sich Klischees an - der Einstieg aber trügt. (...) und bringt auch eine Story, die es in sich hat und  auf einen „neuen" Autor aufmerksam macht, der es (...) „in sich" hat. Nach seinem zumindest bemerkenswerten Romanerstling bei Eich­born, „Hackers Braut", übererfüllt der 1947 geborene Ernst Josef Lauscher mit „Ein Herr aus dem Jen­seits" literarische Versprechen. Die originelle Grundidee: Die Erde ist aufgeteilt in Boten (eine Art „Frem­denführer, Wegweiser aus dem Jenseits (einem Zwischenreich), die Sterbenden von dieser in eine an­geblich bessere Welt helfen. Ohne diese Führer geht gar nichts, jeder, der seine Seele aushaucht, braucht diese Wegweiser. (...) „Ein Herr aus dem Jenseits" von Ernst Josef Lauscher reiht sich wür­dig in die reiche Tradition phanta­stischer, von verdrängter Todes­sehnsucht geprägter, auch an dieser spezifischen Eigenheit weidender, durch sie erst möglicher Literatur der Stadt, von der viele behaupten, nur sie hätte einen Freud hervor­bringen können, ja: müssen. Lau­scher ist mit diesem Buch der legiti­me literarische Erbe Herzmanovsky-Orlandos.

Ernst Petz

 

Kultur Lift, Stuttgart

Neue Bücher 3/93

Unsterblichunsterblich

Ernst Josef Lauschen „Ein Herr aus dem Jenseits“

Eichborn Verlag, Frankfurt a.M.

Die Idee hat was: Stellen Sie sich vor, in einer Stadt, Wien zum Beispiel, stirbt monatelang kein Mensch mehr, weil derjenige, der die Toten sonst ins Jenseits begleitet, keine Lust mehr auf seinen Job hat. "Unsterblichkeit" war bloß eine Metapher, eine Erfindung jener Menschen, Grenzen und End­lichkeiten zu überschreiten, wie alles im Leben überschritten werden sollte..." Dieses Szenario gestaltet Ernst Josef Lauscher in "Ein Herr aus dem Jenseits" höchst genußvoll aus, mit so­viel Phantasie und Raffinesse, da stockt der Atem. Der personifizierte Tod heißt Oskar und lebt seit 50 Jahren nicht mehr. Seine 'von oben' instruierte Aufgabe ist die Strafe für die zu Lebzei­ten begangenen Untaten. Dort war er in der Nazizeit ein Opportunist und Verräter.

Die Tatsache, daß in Wien niemand mehr stirbt, versetzt zunächst nur die Fachwelt in Aufregung, nachher sorgt es für politische Unruhen, bis hin zum Staatsnotstand. Oskar hat Freunde gefunden wie Lukas, der die Memoi­ren des Wiener Todes vermarktet. Doch die Bevölkerung und - hier überzieht Lauscher den Bogen- die rechts­radikalen Populisten, bekämpfen das unendliche Leben in Person von Oskar. Auch die Organisation reagiert: Doch der liebe Gott nimmt das Problem lie­ber selbst in die Hand. Das Ende bleibt leider sehr konstruiert: Einfach die Zeitmaschine wieder zurückzudrehen, ist banal.

Lauscher schafft klare Bilder, wählt klare Worte, lässt der Phantasie des Lesers noch so viele Freiräume, daß die Spannung nicht weicht. Unser Tip: Aki Kaurismäki macht einen geheim­nisvoll-mystischen Streifen draus.

Arne Braun

 

EISERNE RESERVE

 

WIEN aktuell

Nr. 19, 16. November 1996

Auseinandersetzung mit der eigenen Jugend

 

Ernst Josef Lauscher, 1947 in Wien geboren, ist als Kino- und Fernsehregisseur bekannt geworden. Mit seinem Kriminalroman ,,Hackers Braut" und seinem phantastischen Roman ,,Ein Herr aus dem Jenseits" ist er auch als Autor hervorgetreten. Sein neues Buch ,,Eiserne Reserve" sichert ihm endgültig einen Platz unter den bedeutenden Schriftstellern der Gegenwart.

Der neue Roman trägt stark autobiographische Züge, ist geprägt von der Auseinandersetzung mit der eigenen Kindheit und Jugend. Aus dem Geburtsjahr ergibt sich, daß der Autor diese Zeit parallel zur Geschichte der Zweiten Republik erlebt hat, mit dem zusätzlichen Aspekt der starken Bindung an Eltern, die bis in die sechziger Jahren wichtige politische Positionen innehatten. So ist dieser Roman auch ein besonderer Beitrag zur Rückbesinnung in diesem Jahr 1995. Über

eine Reihe wesentlicher Aspekte der Entwicklung Wiens und Osterreichs in den letzten Jahrzehnten erfahrt man mehr (und anderes), als Bücher vermitteln können, die bloße Tatsachen wiedergeben.

Odyssee in den Schmerz

Lange Schatten

Süddeutsche Zeitung 9.10., Dezember 1995

 

Die Garbarecks sind verhinderte Romantiker, deren Sehnsucht nach Versöhnung mit der Wirklichkeit nicht eingelöst wird. Die Eltern waren als politische Haftlinge im KZ interniert. Angesichts der Vorgänge in Ungarn 1956 und in der CSSR 1968 verloren sie ihren Glauben an die revolutionäre Kraft des Kommunismus und suchten Trost in der Liebe zueinander. Ihr jüngster Sohn Emil ist ein lebensuntüchtiger Schlemihl, schrullig und ständig in Geldnöten. Auch sein älterer Bruder Josef erscheint wie ein melancholischer Taugenichts, der gerne schwindelt und die Frauen begehrt, im Grunde aber ein ängstliches und aggressives Kind ist. All ihre Unfähigkeit, sich der Realität zu stellen, resultiert - so

wird im Verlauf des Romans deutlich - aus den Traumata der Vergangenheit, unter denen die Eltern zeitlebens litten

(eine Zyankalikapsel führte der Vater als eiserne Reserve" immer mit sich) und die sie ungefiltert an die Kinder weitergaben, die damit nicht umzugehen wissen.

Eiserne Reserve ist der dritte Roman des 1947 in Wien geborenen Filmregisseurs Ernst Josef Lauscher. Seine episodenreiche Odyssee in den Schmerz", er-zahlt - autobiographisch gefärbt - auf nachdenklich stimmende Weise von den verlorenen Hoffnungen und schwierigen Orientierungsversuchen der Menschen in unserem Jahrhundert. THOMAS KRAFT

 

Bücherschau

Rezensionen, Porträts, Informationen, 9.10.1996

 

„Vegetative Dystonie" - Beschwerden ohne anatomisch nachweisbare Ursachen - lautet die Diagnose, die Luise Garbareck einmal attestiert wird. Doch eine empfohlene Psychotherapie ist für sie und ihren Mann unvorstellbar. Ihrem ältesten Sohn Josef halt sie empört entgegen:

,,Wir sind doch nicht verrückt… Hast du vergessen, was wir durchgemacht haben?"' Durchge­macht, das heißt: Jahre als politische Haftlinge im KZ inhaftiert gewesen zu sein. Und das heißt auch: mit dem Einbruch des eisigen kommunistischen Winters in den Prager Frühling das einzige, für das sie gekämpft hatten, verloren zu haben. Auf diese Erfahrungen reagieren die Garbarecks mit einem - kognitive Dissonanzen vermeidenden - Mechanismus: sie verdrängen die Realität. Obgleich er genau das seinen Eltern vorhält, erscheint auch Josef die Wirklichkeit haltlos. Vieles hat er in seinem Leben versucht: er war Bandmusiker, hat gemalt, Drehbücher geschrieben und gefilmt. Immer wieder fangt er etwas Neues an, da er letztlich allen seinen Fähigkeiten misstraut - unaufhörlich hin- und hergeworfen zwischen begeistertem Tatendrang und melancholischer Nachdenklichkeit. Trost findet er allein im fernen Blau des Himmels und den seltenen Momenten des Verliebtseins. Im Verlauf des Romans beginnt er und der Leser zu ahnen, worin seine Orientierungslosigkeit, seine Schlaf- und Rastlosigkeit begründet sind: die Wunden der Vergangenheit verschwinden nicht, auch nicht, wenn man sich leugnet. Und: sie können auf die nächste Ge­neration übergehen.

Josef Garbarecks Odyssee zum Ich ist daher eine schmerzvolle. Die zunächst unzusammenhängenden Erinnerungen, angerissenen Lebensentwürfen und der oft gegenwärtige Tod ergeben ein so spannungsreiches wie erschreckendes Mosaik. Am Ende entwirft Ernst Josef Lauscher ein hoffnungsvoll stimmendes Bild, in dem der Schrecken durch die

Liebe aufgehoben wird. Ein ,,Wunder"? Immerhin ein neuer Anfang. Mij                  

 

OBEROSTERREICHISCHE NACHRICHTEN 6. Feb. 1996

D A S   B U C H

im Schaufenster, vorgestellt von Reinhold Tauber

 

Zwischen den Traurigkeiten

Ernst Josef Lauscher: Wiener, Kino- und TV-Regisseur, mit Hang zur bildenden Kunst, Romancier („Hackers Braut“,

,,Der Tod aus dem Jenseits“) Mit ,,Eiserne Reserve" präsentiert er nun seinen neuert Roman. Dunkelgraue Prosa, pendelnd in einem Zeitraum von der Vorkriegszeit bis zur Gegenwart. Geographischer Handlungsrahmen ist Osterreich, das Zentrum Wien. Hier spielt sich das Leben einer Familie in politisch turbulenten Jahrzehnten ab. Beziehungsge-schichten mit all ihren Turbulenzen. Der Vater des Erzählers (der selbst immer wieder aus sich heraustritt und sich quasi vor dem Spiegel befragt), war ein Kommunist der alten österreichischen Polit-Schule, uneinsichtig gegenüber den politischen Entwicklungen bis zum auch beschriebenen Tod. Die Mutter: der KZ-Hölle entronnen. Der Sohn gerät in die Strudel der 68er-Vorgange in Prag und in die europäischen Nachbeben. Viel Polit-Bezüge also. Das Handlungsgeflecht

in wiewohl unruhigem Mu­ster ist farbig, dicht, hat starke Momente, zuletzt eine schwache positive Perspektive der Überwindung der Lebens-Schwierigkeiten durch Liebe.

 

Bibliotheksempfehlung

 

Josef Garbareks komplexe, sich auf mehreren Ebeneren vollziehende Reise zu seinem Ich soll vor allem Folgendes bewirken: Heilung von den Schrecken, die ihm von seinen Eltern unbewusst angetan wurden. Sie haben das Konzentrationslager mit viel Glück und Lebenskraft, aber auch mit viel Schrecken und Leiden überstanden. Ihren Kindern erzählen sie immer wieder von den Erlebnissen vor der Verhaftung, von der Zeit im Lager und von der Flucht. Von ihnen lernen sie, was es bedeutet, jahrelanges Ausharren mit Leiden und verzweifeltem Hoffen auf ein Überleben,

auf eine neue bessere Welt, wenn der Kriegers: vorüber ist. Mit viel Optimismus und Illusionismus beobachten sie die Jahre nach dem Krieg, unfähig die Schwachen und Fehler sowie Verbrechen der Sowjetmacht zu registrieren. So werden die politischen Ereignisse, der Einmarsch der Roten Armee in Ungarn 1956 und in die Tschechoslowakei 1%8, ebenso verteidigt wie auch die anderen Tatsachen, die in der Sowjetunion zu Zeiten Stalins abgelaufen sind. Beflügelt von der Kraft seiner Jugend versucht Josef ein unabhängiges und selbst bestimmtes Leben weit ab von den Eltern zu führen.

Eine sehr tiefsinnige und phantasiereich geschriebene Geschichte.