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© Local residents charge their devices, use the internet and warm up inside a tent in Kyiv. Photograph: Valentyn Ogirenko/Reuters

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People cross a dark street in Kyiv on Thursday. Photograph Sergey Dolzhenko-EPA

Retired Nasa astronaut Scott Kelly with Kateryna Iorhu, 13, who was injured and lost her m

Retired Nasa astronaut Scott Kelly with Kateryna Iorhu, 13, who was injured and lost her mother in a Russian missile strike on a railway station in Kramatorsk.  Reuters

Erinnerung an stalinistische Schreckensherrschaft - das Holodomor Genozid-Denkmal in Kiew

Erinnerung an stalinistische Schreckensherrschaft - das Holodomor Genozid-Denkmal in Kiew Bild picture-alliance

Befreit, aber zerstört - Die Oblast Charkiw im Oktober 2022. Bild-Getty.jpg

Befreit, aber zerstört - Die Oblast Charkiw im Oktober 2022. Bild-Getty

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War crimes investigators conducted a preliminary examination after Serhii Avdeev’s body was exhumed last week.

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French and Ukrainian forensic experts documenting the wounds on Serhii Avdeev’s body.

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Alexander De Croo (left), Volodymyr Zelenskiy and his wife Olena, and parliamentary speaker Ruslan Stefanchuk (right) at a monument to Holodomor victims in Kyiv. Photograph: Ukrainian presidential press service/Reuters

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Die Russen kommen, die Russen kommen…

Beitrag für die Text-Sammlung des Literaturhauses Wien "Stimmen gegen den Krieg" von Ernst Josef Lauscher
 

Das erste, was mir zum Krieg in der Ukraine einfällt, ist mein Vater. Wie meine Mutter war er Kommunist, studierte 1936 an der Moskauer Parteischule, wurde 1938 verhaftet und für sieben Jahre in den Konzentrationslagern Dachau und Maut-hausen inhaftiert. Dort lernte er russische Kriegsgefangene kennen, spielte mit ihnen Schach und lernte Russisch. Als glühender Kommunist, nichts anderes will mir zu seiner damaligen Haltung einfallen, war die (damalige) Sowjetunion für Vater Hoffnung und Verheißung zugleich. Das blieb auch nach dem Krieg so. Was die KPdSU verkündete, war wie in Stein gemeißelt. Dabei wurde gern vergessen oder besser musste verdrängt werden, dass der verehrte Stalin ein Verbrecher war, der seine eigenen Leute umbringen ließ, Millionen Mensch umsiedelte und Hungerkatastrophen auslöste. 1968 bekam das Bild der glorreichen Sowjetunion Risse. Dass die Russen in der Tschechoslowakei einmarschierten und das zarte Pflänz-chen des „Prager Frühlings“ zertrampelten, war für meinen Vater eine echte Katastrophe. Er hoffte auf einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“, wohl wissend das die sowjetische Nomenklatura die von Nikita Chruschtschows auf dem 20. Parteitag der KPdSU offengelegten Verbrechen Stalins, die Terror-Kampagne, die Große Säuberung, den Gulag, die Millionen Toten Stalinscher Diktatur, bald unter den Teppich des Schweigens gekehrt haben wollte. Heute stellt Putin Stalin wieder auf den Sockel der Heldenverehrung, weiß sich eins mit ihm und regiert wie er. Mit dem Kommunismus alter Prägung hat das nichts zu tun. Putin benötigt keine Dogmen und keine Rechtfertigung, um zu regieren. Putin hat kein Programm und beruft sich nicht auf Manifeste oder Theorien, er herrscht, wie alle Herrscher vor ihm, unduldsam gegen Andersdenkende und mit der Absicht, sein Reich zu vergrößern.  Mein Vater war nach 1968 in „seiner“ Partei bald isoliert. Die Verdrängung der Folgen kommunistischer Herrschaft hatte aufgehört zu funktionieren. „Seine“ Partei schob ihn ab, wie man jahrzehntelang alle „Abweichler“ abgeschoben und mundtot gemacht hatte. Vater hatte es nie verwunden und konnte doch nicht darüber sprechen. Wenn ich die Nachrichten verfolge, die Bilder vom Krieg sehe, erinnere die Erzählung eines ehemaligen Genossen, der uns eines Sonntags, es muss 1973 oder 1974 gewesen sein, besuchte. Dieser Genosse, ich nenne ihn hier Georg, berichtete, dass er als Soldat der Wehrmacht 1943 zu den Russen übergelaufen war. Er sprach fließend Russisch und brachte Rotarmisten Deutsch bei, die hinter der Front abspringen sollten. Keiner der jungen Soldaten kam zurück. Ihre Deutschkenntnisse waren zu mangelhaft gewesen. Georg machte dies zum Thema einer Unterhaltung mit seinem Vorgesetzten, kritisierte, das sie Kanonenfutter produzierten. Am nächsten Morgen, wurde er von Rotarmisten aus dem Bett geholt, in den nahen Wald gefahren und erschossen. Weil die Soldaten schlecht zielten, womöglich hatten sie ein schlechtes Gewissen, einen Genossen zu erschießen, überlebte Georg, wurde von russischen Bauern gesund gepflegt. Vater und Georg stehen vor mir, wenn ich die Bilder aus der Ukraine sehe und wären wie ich entsetzt und traurig.

https://www.literaturhaus.at/index.php?id=10189

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